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Säuglingstherapie nach Bobath und Vojta - kleine Impulse für die Entwicklung

vor 6 Tagen
5 Min. Lesezeit

Das eigene Baby entwickelt sich jeden Tag ein kleines Stück weiter. Es beginnt, seinen Kopf zu kontrollieren, entdeckt seine Hände, dreht sich irgendwann auf die Seite und später auf den Bauch. Für Eltern sind diese Entwicklungsschritte etwas ganz Besonderes.

Doch manchmal fällt bei einer Vorsorgeuntersuchung oder im Alltag auf, dass sich ein Kind anders bewegt als erwartet.

Vielleicht dreht es den Kopf fast ausschließlich zu einer Seite. Es wirkt sehr angespannt oder ungewöhnlich schlaff. Bestimmte Bewegungen fallen ihm schwer oder einzelne Entwicklungsschritte lassen länger auf sich warten.

Wird anschließend Physiotherapie verordnet, begegnen Eltern häufig zwei Begriffen:

Bobath und Vojta.

Doch was steckt dahinter?

Und was passiert eigentlich während einer physiotherapeutischen Behandlung mit einem Säugling?


lachendes Baby

Wann kann Physiotherapie bei Säuglingen sinnvoll sein?

Babys entwickeln sich nicht nach einem starren Zeitplan.

Das eine Kind dreht sich früher, das andere später. Unterschiede in der motorischen Entwicklung sind zunächst völlig normal.

Es gibt jedoch Situationen, in denen Kinderärztinnen und Kinderärzte eine physiotherapeutische Behandlung empfehlen.


Das kann beispielsweise der Fall sein bei:

• auffälligen Bewegungsmustern

• deutlicher Bevorzugung einer Körperseite

• Schwierigkeiten bei der Kopfkontrolle

• Entwicklungsverzögerungen

• auffälliger Muskelspannung

• neurologischen Erkrankungen oder Entwicklungsauffälligkeiten

• bestimmten angeborenen oder erworbenen Erkrankungen


Welche Therapie geeignet ist, hängt immer vom individuellen Befund und von der ärztlichen Diagnose ab.


Was ist die Bobath-Therapie für Säuglinge?

Das Bobath-Konzept ist ein physiotherapeutischer Behandlungsansatz für Menschen mit neurologisch bedingten Bewegungsauffälligkeiten und wird auch bei Säuglingen und Kindern eingesetzt.

Bei Babys werden Bewegung und Entwicklung ganzheitlich betrachtet.

Die Therapeutin oder der Therapeut beobachtet beispielsweise:

Wie liegt das Kind?

Wie bewegt es seinen Kopf?

Wie stützt es sich ab?

Wie reagiert es auf Lageveränderungen?

Nutzt es beide Körperseiten ähnlich?

Welche Bewegungen führt es bereits selbstständig aus?

Auf dieser Grundlage werden Bewegungsangebote geschaffen, die das Kind dabei unterstützen sollen, seine eigenen Bewegungsmöglichkeiten zu entdecken und weiterzuentwickeln.


Das Baby soll selbst aktiv werden

Ein wichtiger Gedanke des Bobath-Konzeptes ist, Bewegung nicht einfach nur passiv „mit dem Baby zu machen“. Das Kind soll möglichst selbst aktiv werden.

Die Therapeutin oder der Therapeut gibt dafür gezielte Hilfestellungen und schafft Situationen, in denen bestimmte Bewegungen erleichtert oder angeregt werden.

Das kann beispielsweise beim Drehen, beim Stützen oder bei der Kontrolle des Kopfes geschehen.

Dabei werden die vorhandenen Fähigkeiten des Kindes genutzt.

Das Ziel ist nicht, dass jedes Baby zu einem bestimmten Zeitpunkt exakt dieselben Bewegungen beherrscht. Vielmehr geht es darum, individuelle Entwicklung zu unterstützen und günstige Bewegungsmöglichkeiten anzubahnen.


Baby Therapie

Was ist die Vojta-Therapie?

Die Vojta-Therapie verfolgt einen anderen therapeutischen Ansatz.

Sie basiert auf der sogenannten Reflexlokomotion.

Dabei wird das Kind in bestimmte Ausgangsstellungen gebracht. Durch gezielten Druck auf definierte Körperzonen können bestimmte Bewegungsmuster aktiviert werden.

Diese Bewegungsreaktionen laufen nicht so ab, dass das Baby eine Bewegung bewusst „übt“.

Vielmehr sollen Bewegungsmuster angesprochen werden, die im zentralen Nervensystem angelegt sind.

Auch hier richtet sich die Behandlung nach der individuellen Situation des Kindes.


Warum weinen manche Babys bei Vojta?

Das ist vermutlich eine der größten Sorgen vieler Eltern.

Wer zum ersten Mal eine Vojta-Behandlung sieht, kann verunsichert sein, wenn das eigene Baby während der Übungen weint.

Wichtig zu wissen ist:

Weinen bedeutet bei einem Säugling nicht automatisch, dass eine Behandlung Schmerzen verursacht.

Die Ausgangsstellungen, das Festhalten und die ungewohnte körperliche Anstrengung können für ein Baby anstrengend und frustrierend sein. Es kann sich außerdem nicht einfach aus der Situation herausbewegen.

Trotzdem sollten Eltern ihre Sorgen immer ansprechen.

Eine gute Säuglingstherapie bedeutet nicht nur, das Kind zu behandeln, sondern auch den Eltern verständlich zu erklären, was gemacht wird und warum es gemacht wird.


Säuglingstherapie Bobath oder Vojta - was ist der Unterschied?

Beide Konzepte beschäftigen sich mit Bewegung und motorischer Entwicklung, gehen dabei jedoch unterschiedlich vor.


Bei Bobath wird häufig stärker mit den spontanen Bewegungen und Aktivitäten des Kindes gearbeitet. Durch gezielte Unterstützung und geeignete Ausgangssituationen sollen Bewegungsmöglichkeiten erleichtert und erweitert werden.


Bei Vojta werden über bestimmte Ausgangsstellungen und definierte Reizzonen Bewegungsmuster aktiviert.


Welche Methode eingesetzt wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Dazu gehören die Diagnose, der physiotherapeutische Befund, die ärztliche Verordnung und die individuelle Situation des Kindes.

Es geht deshalb nicht darum, grundsätzlich zu entscheiden:

„Bobath oder Vojta - was ist besser?“

Sondern vielmehr:

„Welche therapeutische Vorgehensweise ist für dieses Kind sinnvoll?“


lachendes Kind

Ein Beispiel aus dem Praxisalltag

Der fünf Monate alte Emil* kommt gemeinsam mit seiner Mutter zur Physiotherapie.

Seiner Kinderärztin ist aufgefallen, dass Emil seinen Kopf fast immer nach rechts dreht. Auch seiner Mutter war bereits aufgefallen, dass er beim Spielen eine Seite deutlich bevorzugt.

Sie macht sich Sorgen.

„Haben wir ihn vielleicht falsch hingelegt?“

Diese Frage stellen sich Eltern häufig und machen sich damit schnell selbst Vorwürfe.


Bei der physiotherapeutischen Untersuchung wird zunächst beobachtet, wie Emil liegt und sich spontan bewegt.

Wie reagiert er auf Spielzeug?

Kann er den Kopf zu beiden Seiten drehen?

Wie verlagert er sein Gewicht?

Wie nutzt er seine Arme?

Wie verhält sich sein Körper in Bauch- und Rückenlage?


In der Behandlung werden ihm anschließend gezielt Bewegungsangebote gemacht. Die Therapeutin unterstützt ihn dabei, die weniger genutzte Seite stärker in seine Bewegungen einzubeziehen.

Auch seine Mutter wird mit einbezogen.

Sie bekommt Ideen dafür, wie sie Emil im Alltag beim Spielen, Hochnehmen oder Ablegen unterschiedliche Bewegungsrichtungen anbieten kann.

Nach und nach nutzt Emil beide Seiten selbstverständlicher.

Für seine Mutter ist dabei besonders wichtig:

Sie hat nicht einfach nur Übungen bekommen.

Sie versteht jetzt besser, wie ihr Sohn sich bewegt und wie sie ihn im Alltag unterstützen kann.


*Name und Einzelheiten des Fallbeispiels wurden geändert.


Eltern sind ein wichtiger Teil der Therapie

Bei der Behandlung eines Säuglings findet Entwicklung nicht nur während des Physiotherapietermins statt.

Ein Baby bewegt sich den ganzen Tag.

Beim Wickeln.

Beim Spielen.

Beim Hochnehmen.

Beim Tragen.

Beim Ablegen.

Beim Drehen nach einem interessanten Geräusch.

Genau deshalb können Eltern einen wichtigen Beitrag leisten.

Je nach Behandlungskonzept erhalten sie Übungen oder Anregungen, die sie zu Hause umsetzen können.

Dabei geht es nicht darum, den gesamten Alltag in ein Therapieprogramm zu verwandeln.

Oft können bereits kleine Veränderungen in alltäglichen Situationen sinnvoll sein.


Muss mein Baby bestimmte Entwicklungsschritte zu einem festen Zeitpunkt können?

Eltern vergleichen verständlicherweise.

Das Baby einer Freundin dreht sich schon. Das andere sitzt bereits. In einer Eltern-Gruppe scheint plötzlich jedes Kind etwas zu können, was das eigene noch nicht macht.

Doch Entwicklung verläuft individuell.

Meilensteine geben Orientierung, sind aber kein minutengenauer Fahrplan.

Entscheidend ist das Gesamtbild der Entwicklung.

Wenn Eltern unsicher sind oder ihnen etwas auffällt, ist die Kinderärztin oder der Kinderarzt deshalb die richtige erste Anlaufstelle.


Was können Eltern zu Hause tun?

Welche Übungen sinnvoll sind, sollte immer individuell besprochen werden.

Gerade bei Säuglingen ist es wenig sinnvoll, allgemeine Übungen aus dem Internet einfach auf das eigene Kind zu übertragen.

Was für ein Baby hilfreich sein kann, muss für ein anderes nicht passen.

Viel wichtiger ist es, dass Eltern verstehen, welches Ziel eine Übung verfolgt und worauf sie dabei achten sollen. In der Therapie können die entsprechenden Handgriffe und Bewegungsangebote deshalb gemeinsam geübt werden.

So entsteht Sicherheit für zu Hause.


Kleine Veränderungen können viel bedeuten

Bei der Säuglingstherapie nach Bobath oder Vojta geht es häufig nicht um spektakuläre Bewegungen.

Manchmal ist der Fortschritt zunächst ganz klein.

Das Kind dreht den Kopf häufiger zur anderen Seite.

Es stützt sich etwas sicherer ab.

Es verteilt sein Gewicht gleichmäßiger.

Oder es entdeckt plötzlich eine Bewegung, die vorher kaum zu sehen war.

Gerade diese kleinen Veränderungen können wichtige Schritte innerhalb der motorischen Entwicklung sein.


glückliches Baby

Säuglingstherapie in der Praxis Zabner

In unserer Praxis in Langenhagen behandeln wir Säuglinge und Kinder nach den neurophysiologischen Konzepten Bobath und Vojta.

Dabei betrachten wir jedes Kind individuell und beziehen die Eltern aktiv in die Behandlung ein.

Uns ist besonders wichtig, dass Eltern verstehen, was während der Therapie passiert und warum bestimmte Bewegungen oder Übungen eingesetzt werden.

Denn gerade bei einem Baby entstehen schnell Sorgen und viele Fragen.

Diese Fragen dürfen gestellt werden.

Unser Ziel ist es, nicht nur therapeutische Impulse zu geben, sondern Eltern Sicherheit im Umgang mit ihrem Kind zu vermitteln und die individuelle motorische Entwicklung bestmöglich zu begleiten.

Kleine Impulse können dabei helfen, neue Bewegungsmöglichkeiten zu entdecken.

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